Eine Brücke mitten ins Herz
Das Trio „Puente“ in einem begeisternden Konzert im „Forum Daun“
Bereits die Bedingungen vor Konzertbeginn waren ungewöhnlich. Menschen, die Stühle vom Foyer in den Saal trugen, obwohl sie nicht zum Hauspersonal zählten. Das sieht man eher selten. In diesem Fall war es ein erstes Indiz für das große Interesse an einer Veranstaltung, die offenbar eine starke Bewerbung im Vorfeld erlebt hatte. Was für die großartige und professionelle Arbeit des „Kulturkreis Daun e.V.“ und seiner Verantwortlichen spricht.
Die dann auch ein in jeder Hinsicht außergewöhnliches Konzert einem Publikum bescherten, welches diesen Abend noch lange in Erinnerung behalten wird.
Anne Kaftan (Sopransaxophon und Bassklarinette), Brigitte Angerhausen (Klavier) und Ulrike Zavelberg (Cello) bilden das Trio „Puente“, ein junges musikalisches Projekt, das sich der direkten Einordnung in Genres entzieht. Und das auch so will. Der Name, zu Deutsch „Die Brücke“, wird hier zum Programm. Menschen also, die der unmittelbaren Unterscheidung aller musikalischen Phänomene in U- und E-Musik frönen, wurde so eine einigermaßen große Verwirrung bereitet. Allen anderen wurde schlichtweg das Herz geöffnet.
Das Programm, eine Mischung aus klassisch-romantischen Miniaturperlen (Grieg, Mompou, F. Mendelssohn-Bartholdy), lateinamerikanischem Esprit (Pablo Paredes, W. Bleibel, A. Piazolla) und eigenen Kompositionen, hatte es wahrlich in sich. Da wechselte lyrisch melancholisches Sujet mit hochdramatisch leidenschaftlicher Schwüle, immer wieder gebrochen von den kompositorischen Experimenten Angerhausens und Kaftans. Ist das noch Klassik? Ist das schon Jazz? Ist es gar Moderne Musik? Ja und Nein und von allem etwas. Aber hier wollte niemand alle Geschmäcker bedienen, hier biederte sich keiner an den größtmöglichen Nenner an. Viel eher wurde während des Abends deutlich: Die Hintergründe, auf denen die drei Damen miteinander musizieren, sind vielfältig. Die Verbindung der Stile entwickelt sich organisch, nichts wird erzwungen, nichts wird gepresst. Das ist Homogenität in der Heterogenität, die Einheit in der Vielfalt. Und immer wenn die neo-romantizistischen Elemente zu den beherrschenden zu werden drohten, erreichte die Musik eine andere, neue Tiefe. Eine Tiefe, deren Adressat freilich nicht der musikalische Fachmann mithin seiner Analysefähigkeiten ist, seien sie historiographisch oder das notierte Material betreffend. Die Musik des Trios erreichte die Zuhörer ohne die Voraussetzung intellektueller Vorbildung. Emotion und Kontemplation in Synergie. Das ist Musik, die riecht und schmeckt.
Die mitunter virtuosen Improvisationen Anne Kaftans, einer Schülerin der amerikanischen Saxophon-Legende Charlie Mariano, der weiche und warme Klang des hellwachen Cellos von Ulrike Zavelberg und die fließenden und dabei leichthändigen Fundamente der Pianistin Brigitte Angerhausen, zogen das Auditorium schnell in ihren Bann.
Und nicht wenigen wird die Sonne aufgegangen sein bei ihrem Weg über die musikalische Brücke direkt in ihr Herz. Und im Vergleich zu den gequält gezwungenen Kakophonien mancher zeitgenössischer Komponisten war dies extrem unterhaltsam. Diesem jungen kammermusikalischen Ensemble gehört die Zukunft. Und man wartet bereits jetzt gespannt auf ihre erste CD. Großer Applaus eines an die 300 zählenden glücklichen Publikums, das es nicht versäumte, der an diesem Tag Geburtstag feiernden Cellistin Ulrike Zavelberg zum Schluss ein Ständchen zu bescheren. Auch das hat man so noch nicht erlebt. Was für ein schönes Konzert!
Andreas Richartz


